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Von einer garstigen Grippe gezeichnet verbringe ich meinen vorweihnachtlichen Sonntagabend mit triefender Nase, eingegraben in dicke Daunendecken. Wohl in einem Fieberdelirium unterläuft mir der fatale Fehler zur Prime-Time den Fernseher einzuschalten.
Auf allen Kanälen sich suchende, nicht findende, dann doch findende – wie soltte es anders sein – er und sies aus der Drama-, Comedy-, oder Disney Küche von Hollywood. Zu allem Überfluss gebe ich schließlich meinem masochistischen Drang nach und bleibe an einer besonderst weihnachtlichen, synchron zu meiner Nase triefenden Liebesgeschichte hängen. Ein Fehler, wie sich heraus stellen sollte.
Ich ertrage das quälende er-sucht-sie und sie-sucht-ihn, bin bemüht tiefe Dekoltees, High-Heels, schmollende Lippen, perfekte Taints, sowie muskulöse, großgewachsene, täglich trainierende Körper auszublenden. Die Geschichte ist ja mein Ziel.
Über eine Stunde verfolge ich eine sie und einen er, seinen Kuss mit einer anderen sie, das Weglaufen der ursprünglichen sie und sein von Hoffnung nach Verzeihung getragenes, penetrantes Hinterherjagen. Einer tränenreichen Bitte, ihre Wohnung nun endlich zu verlassen gibt er schließlich nach.
Hoffnung flammt in mir auf. Diese Sache könnte vielleicht doch ein gutes Ende nehmen.
Doch schon treffen sich er und sie – diesmal eingehängt im Unterarm eines nicht ganz so muskulösen, aber großgewachsenen anderen er – zufällig vor einer Kirche. Sich aushängend, starrt sie den hinzugekommenen ursprünglichen er nach Fassung ringend an und geht zwei große Schritte auf ihn zu. Der Nebenbuhler trappelt mit hängenden Schultern aus dem Bild. Vielleicht weil er ahnt, was gleich passiert.
Zarte Streichorchestermusik in Dolby Surround versucht das darauf folgende Drama zu vertuschen:
Er, ebenfalls auf sie zuspringend, ergreift ihren Ellbogen. Sie erwehrt sich, ihn vergeblich abschüttelnd, doch er gibt nicht auf. Immernoch versucht sie ihn abzuschütteln. Er, seinen Griff nicht lockernd, legt seinen zweiten Arm, um ihre Hüfte und zieht sie mit einem Schwung an seine. Sie zappelt nicht mehr. Dann schwingt er eine pathetische Rede. Ein Kuss. Die Kamera fährt aus. Ein küssendes er und eine nicht zappelnde sie und ein Mistelzweig der von einem Ast herunterhängt und weihnachtliche Glocken erklingen vom Kirchturm.
Dann: Der Abspann.
Ein Schüttelfrost überfällt mich. Verstört und zitternd lasse ich die folgende Werbung laufen: Es kann nicht mehr schlimmer kommen.
Da, plötzlich eine vielzahl von sich unter Mistelzweigen küssender muskulöser ers und eingehängter, nicht mehr zappelnder sies. Mein Arm schnellt zur Fernbedingung. Zu spät, der Lautsprecher dröhnt den kommentar zum Film „Wenn auch sie einen Partner, oder eine Partnerin fürs Leben suchen, schauen sie doch auf unserer Homepage vorbei.“.