Die Rappelkiste und der Warencharakter

Mal zwischendrin was zum Schmunzeln. Ein sehr sehr schönes Schmankerl aus der Vergangenheit:

Advertisements

Edeka und der neoliberale Körper

Endlich wieder „Filmabend“. Ich greife zu Popcorn einen Glas Wein und kann es kaum erwarten… . Es kribbelt, vielleicht doch lieber auf dem Beamer? Ach zu spät.

Er ist da, der neue Edeka-Movie. Und wir alle sehen ihn an. Und tragen zu diesem Diskurs bei. Es ist aber nicht nur der offensichtliche Körperdiskurs.

Ich finde es auf mehreren Ebenen kritisierbar, wie sich die Werbelandschaft und insbesondere Edeka positioniert.

Die Marke erzählt in aufwendig und filmisch gar nicht uninteressanten Kurzfilmen vieles, aber wenig, was etwas mit einem „Produkt“ an sich zu tun hat. Passend zu unserer Subjekten der informationswende.

Es geht den Konsumenten schließlich nicht darum, Markenauthentizität zu sehen, mit dieser lockt man niemanden mehr vorm Ofen vor  – der Konsument scheint eines zu wissen – alles Einheitsbrei. Es geht stattdessen immer mehr und omnipräsent darum, emotional berührt zu werden. Das alleine schafft wohl das positive Gefühl und Grundvertrauen, was Versprechen in regionale, zusatzstofffreie Bioproduktion nicht vermögen. Es geht um Identität. Eine Identität für das Subjekt das  als  sich selbst optimierende Konsumentin nicht ausreichend „überformt“ ist. Irgendwie doch leer. Hier knüpft Edeka an. Identität über Werte, zwischen annehmender Norm-Familie, und rebellischen sich selbstoptimierenden Kindern mit träumen: Healthy und Selbstsicher.
Selbstsicherheit verknüpft mit Körper und Selbstverantwortung.
(Das Prinzip dieser Imagecampagnen ist dasselbe bei Edeka und den Identitären und bei beiden funktioniert es.)

Die Werbemaschinerie produziert also Filme zwischen Provokation, Emotion und Nonsens. In jedem Fall reden alle darüber, wir die es kritisieren, als auch die Diskurskoalitionen der konsumistischen laufenden Zielgruppenzielscheiben. War es noch zu Weihnachten das Postulat der Care-Arbeitenden Normalfamilie, ist es jetzt nicht mehr nur subtil, sondern ganz explizit der Normalkörper als vermeintlicher Durchbruch zur Freiheit. Also beides: Verdrehung des Freiheitsbegriffes zur Selbstverantwortung UND die Verdrehung der körperwahrnehmenden Schemata – beides adressiert an das sich selbst optimierende Individuum.

Der Film ist zuende und ich fühl mich schlecht, mit meinem Popcorn im Bauch … 🙂

Ich sollte ein wenig Spazieren gehen.
Vielleicht zu H&M da gibt es grade so einen tollen Streifenlook, der ist „im Trend“, sagt H&M unabhängig der Parallelle zu KZ-Uniformen, hätte ich doch lieber letztes Jahr noch die YPG-Jumpsuit gekauft.
Vielleicht gibts die ja noch bei Ebay. Pass ich da überhaupot rein? Ach wenn nicht kann ich mir ja auf dem Rückweg bei Edeka noch ein paar beeren für einen Smoothie holen.

Provokation funktioniert, ich erinnere mich noch immer dran und ich werde weiter darüber reden.

c4unho3wqaafctb

H&M Sommerkatalog 2017

„Mutti, die Barbarei steht vor der Tür, sollen wir sie reinlassen?“

016_0

In den letzten Wochen -und ich möchte betonen, es liegt nicht maßgeblich daran, dass Trump Präsident wurde- verstärkt sich ein Gefühl. Das Gefühl, dass sich meine Generation sowohl als Täter als auch als Opfer einer Katastrophe bereits manifestiert hat. Ein Pfad der so sehr schon betrampelt ist, dass das Schlagen alternativer Wege nicht mehr möglich scheint. Es gibt kein festes Szenario, kein Ziel dieser Pfade in meinem Kopf, nur etliche teilweise ausgeschlilderte Wege und verborgene Schleichpfade. Aktuell stehen wir auf einer Kreuzung. Der Mensch am Scheideweg. Schon wieder oder immernoch. Nur dass der Sowjetkommunismus mit Lenin im Bild und der Weg dorthin, wie er es noch für Diego Riviera war, für einen großen Teil der Linken keine denkbare Utopie darstellt. Wir leben in einer kapitalistischen Welt und es existiert kein Versuch alternativer Systeme mehr, der Weg hierhin scheint eine Sackgasse.

Ich studiere mit Menschen, welche nie gelernt haben Alternativen zu denken. Sie kennen nur den Neoliberalismus und sein Imperativ, das sich selbst optimierende Individuum. Sie haben gelernt, dass ihnen gesagt wird was richtig und falsch ist. Was wahr und was unwahr. Die kunst der Abrichtung war mehr als erfolgreich: Sie haben gelernt der Allgegenwärtigen sie durchdringenden Macht zu Glauben. Da sie glauben was als wahr oder falsch benannt wird, müssen sie das in sich auch nicht beurteilen können. Wenn es hochkommt, dann haben sie „da so ein Gefühl“ und den Wunsch nicht jedes Gefühl, was für sie als Synonym für Meinung steht, auszudiskutieren. Bloß keinen Konflikt.

Die Meisten Wege an unserem Scheideweg führen in sehr, sehr düstere Bereiche der Wälder und in menschliche Abgründe. Von daher ist es schon fast verständlich, dass sich so viele lieber tot stellen, oder die Füße stillhalten. Ich habe einige in meinem Umfeld, die die Faschisierung durchaus ebenfalls mit Besorgnis erkennen sagen hören, es sei nun wichtig den Kapitalismus zu stützen, die Hoffnung in die Märkte setzen. Das sei das einzige was gegen den wütenden Mob steht: rational agierende Märkte, gegen emotional rationalisierenden Mob. Ein anderer äußert sich zynisch darüber, dass die US-Demokraten nun „sowas“ auch in der Jungle World schreiben dürfen, ohne dass es klatscht. Naja, also keinen Applaus.

Dabei könnte alles so schön sein.

Ich lebe in einer Welt, deren technischer Stand selbst vor fünf Jahren noch utopisch schien.

Das privatwirtschaftliche Unternehmen SpaceX schießt tödliche Bakterien durchs all, es gibt Anleitungen für mechanische Prothesen aus dem 3D Drucken und Bomben aus dem Baumarkt. Es gibt den Versuch von Anonymität im Netz. Verstecktes Surfen, Verschlüsselung für jedermensch. Es gibt Entwickler, Journalisten, Wissenschaftlerinnen die es sich zum Ziel gemacht haben, sicheren und selbstbestimmten Umgang mit Technik und Informationen zu ermöglichen. Jeder kann Teil der Informationsmaschinerie sein, sich aber auch dazu entschließen diese Maschinerie mit noch mehr Selfies zu füttern. Jeder kann Nachrichten jederzeit abrufen und auch gestalten und jeder ist Teil der zu erfassenden Informationen. Es gibt Implantate, die bargeldlose Bezahlung mit Bitcoins ermöglichen – deren Wert ins unermessliche geschossen ist. Jeder Vollidiot kann auf der Grundlage dieser Technik eine eigene Währung auf den Markt bringen. Ich habe festgestellt, dass ich jederzeit eine Kalaschnikow kaufen kann. Mein Nachbar übrigens auch. Aber der durchsucht das Internet wohl lieber nach Kinderpornos. (Ich kenne meinen Nachbarn nicht wirklich und wollte nur einen Punkt machen.) Und Arbeitgeber nehmen vielen Frauen die Entscheidung zwischen schlechter Bezahlung und Karriere und gar keiner Bezahlung und Familienglück durch einfrieren ihrer Eiezellen ab, anstatt an der Entscheidungsgrundlage Veränderungen vorzunehmen.

Wir leben eine Uto-Dystopie zugleich, wir leben zwei Seiten ein und derselben Medaille und haben berechtigt Hoffnung in diese „monströsen Versprechen“. Unter anderem die auf ein Ende der Arbeit durch Technik und ein gutes Leben ohne diese lästige ökonomische Notwendigkeit bei steigendem technischen Fortschritt. Eine berechtigte, betrachten wir die Energie, welche so viele Menschen tagtäglich in Open Source Projekte stecken und den Ist-Stand der Technik. Warum also, wenn wir in einer so technisierten Welt leben, in der es eigentlich möglich wäre, dass keine Kinderhand Tantal bergen müsste, passiert es dennoch? (eine rhetorische Frage)

Glaubt man der Postwachstumsökonomie und Christanarchisten wird es gehen, nur eben mit einer langen Ebbe an der Nutzung unserer technischen Errungenschaften. Endloswachstum ist genauso unvorstellbar, wie der Bau einer Brücke hinaus aus der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Ein nicht möglicher Transformationsprozess, weder sanft noch gewaltvoll denkbar. Beide Seiten eine vermeintliche Katastrophe. Ich wage die These, dass wir eine Mehrheit sind, die dieses System für krank, abstrus und kacke hält. Eine Mehrheit selbst dann, wenn es darum geht Faschismus in den Arsch zu treten. Es gibt jedoch keine Mehrheit für eine Alternative. Nun bin ich seit Wochen mit einer Frage infiziert (danke btw. dafür): Brauchen wir eine Alternative um menschenverachtenden Wege zu blockieren? Ich komme zu dem Schluss, dass wir keine Mehrheit für ein bestimmtes kommendes System brauchen. Es gibt sie nicht und je länger wir warten, desto weniger wird es eine uns alle einende Position geben.

Unter dem Deckmantel des Sicherheitsdispositivs werden grade Dinge verhandelt, welche das Denken von Alternativen obsolet machen. Wir leben in einem Land, das als Rechtsstaat bezeichnet wird und in welchem jedoch in einem Prozess alle wichtigen Zeugen und Akten und Beweismaterialien verschwinden. In einem Land in dem Angriffe auf die Polizei, und als solche werden nicht selten passive ausgelegt, nur noch mit Freiheitsstrafe belangt werden können. Und unser Innenminister zur gesellschaftlichen Ächtung dieser Täter aufruft. Was heisst das denn bitte? Teeren und Federn – oder beschädigt dass die elektronische Fußfessel?

Ich lebe in einer Welt in der rassistische Hetze an der tagesordnung steht, von so vielen betrieben und öffentlich geduldet gar legitimiert wird, während 2016 mehr als jeden zweiten Tag ein Brandanschlag auf eine Refugeeunterkunft verübt wurde. Wir verzeichnen seit Lichtenhagen zahlreiche Morde der extremen Rechten und mindestens 3000 weitere unaufgeklärte, welche auf dieses Konto gehen. Es verwundert schon kaum mehr und erreicht auch kaum die gängige Berichterstattung, ähnlich den unzähligen Anschläge auf Jüdinnen und Synagogen.

Wir leben in einem Land in dem Sicherheit nur wenigen vorbehalten bleibt und dieses Privileg grade Berufsgruppenspezifisch erobert wird: Polizisten und Politiker.

Ich lebe in einer Welt, in der ich in meinem engsten Umfeld Menschen vorfinde, die wie befreit scheinen, da sie ihren blinden Rassismus nun nicht mehr so sehr deckeln müssen. Die Alternativen fordern zu Rassismus, damit sie diesen einzustellen gedenken. Die es genießen nach unten zu treten, um sich endlich auch mal mächtig zu fühlen. „Man kann doch nicht sagen, hört auf damit, wenn man Menschen nicht Alternativen des Handelns aufzeigt“ ist die Devise. Doch verdammt, man kann und muss sagen: hör auf zu treten! Und wenn jemand nicht freiwillig aufhört, lässt man ihn dann weitertreten?

Eine Solidargemeinschaft sollte als Alternative dienen und Handlungsoptionen bereitstellen, sie wird als nicht mehrheitsfähig für gescheitert erklärt. Wir – und das waren viele – haben sie aber formuliert. Es gibt also eine Alternative.

Meine Realität im Seminarraum hat sich ebenso verändert. Auch hier scheint es nun OK zu sagen, dass man lieber diskriminiert als sich solidarisch zu verhalten. Die Kartoffeln aber auch die „Kanaken“ diskriminieren sich öffentlich und beziehen ihre Identität aus der sie treffenden Diskriminierung aus der Vereinzelung. „Alles nur Spaß“. In nicht wenigen Betrieben finden wir wohl den Kollegen mit Reichsflagge mit Hakenkreuz als Handyhintergrundbild neben seinen Kolleginnen aus mehr als 20 Nationen zu Mittag speisend, den Reichsbürger, und die um eine Besserstellung innerhalb der Diskriminiertengruppe buhlenden sich vielfältig als Kleinrussen, Kleinasier oder sonstwas beschimpfenden Personenkreise. All denen Prinzipien haben wir doch als Gewerkschaften eine Alternative geboten: die Solidarität der Arbeiterinnen. Haben wir nicht? Haben wir manchmal zu oft gesagt, jetzt ist nicht die Zeit hier das Stopschild hochzuhalten, das machen wir später wenn der Streik vorbei ist, wenn der Organisationsgrad gestiegen ist … wenn … . Ja, wenn… .

Tarifverträge wurden unterzeichnet, Organisationsgrade stiegen und Gastarbeiter blieben doch „die Anderen“. Der Fall „wenn“ trat selten ein. In zu seltenen Kampagnen wie der Gelben Hand oder Respekt. In Kampagnen die den Widerspruch auflösen sollten, welchen wir als Gewerkschafterinnen in direktem Gespräch kaum zu lösen fähig waren. Das Ende der Empathie für diskriminierendes Verhalten und entsprechende Sanktionen und trotzdem ein Glaube an die Entwicklungsfähigkeit des Subjekt. Ein Nein zu Reichsflagge in Betrieb. Du kannst gerne Teil der Solidargemeinschaft sein, aber eben nur solidarisch und wir helfen dir dabei, Solidarität als Wert und entsprechende Handlungsdispositionen zu entwickeln. Entwickeln musst du sie leider selbst wollen.

Ich bin in einer auf Solidarität basierenden Gemeinschaft mit diesem Wert in der Minderheit. Zwischen Partikularintressen verschiedener Parteien und deren Strömungen, Gewerkschaften und deren Fachbereichen und Ressors, Prioritätsbetrieben, einem unüberschaubaren Angebot aus Politgruppen unterschiedlicher Konfliktrichtung und einer wabernden Unfähigkeit der Entwicklung von Haltungen und sinkender Konfliktfähigkeit. Und natürlich und das haben all unsere Strukturen gemein: die Sorge um den Besitzstand. Sorge um Macht und Einflussverlust. Sei es an die von einer Partei-Strömung zur Anderen, oder von einer linken Politgruppen zur anderen, im Prinzip die selbe Angst. Aber auch hier geht es nicht darum Identitäts- und Positionsunterschiede zu relativieren. Sie entsprechen aber einem ähnlichen Prinzip. Der Schaffung konfliktfreier Räume als Grundlage der Zusammenarbeit und die Gleichsetzung von Konflikt mit Durchsetzung der eigenen Position.

In einem gebe ich meinem pessimistischen Umfeld also recht: Es scheint mir nicht die Zeit Alternativen zu denken. Obgleich wir sie dringend bräuchten. Das müssen wir und jeder der es kann sollte sie aufschreiben und im Petto haben, wenn es darum geht diese zu diskutieren bzw. nebeneinander exitieren zu lassen. Ich habe Utopien – teilweise theoretisch fundierte, teilweise mit Einhörnern und magischen Problemumgehungsstrategien. Alternativen diskutieren und spinnen ist Teil zwei unseres Plans.

Und da ich kein Kapital habe, mir kein Haus in der Pampa kaufen kann, wo ich für mich auf 4 oder 8 Feldern alles Notwendige anbauen und über ein geheimes Bunkersystem verfügen kann, bin ich mehr denn je existenziell darauf angewiesen bestimmte Wege in die finsteren Bereiche des Kaltlands ein für alle Mal zu sperren. Es ist verdammt klat im Kaltland und es wird zunehmend Kälter.

Teil eins unseres Plan ist: Wir brauchen eine Mehrheit gegen die Faschisierung.

Eine Mehrheit gegen Rassismus, Sexismus und alle nur erdenklichen intersektionalen Diskriminierungskategorien. Eine Mehrheit gegen „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“

Wir alle, die die Solidargemeinschaft denken gelernt haben, müssen jetzt an einen Tisch kommen. Jetzt müssen wir all unsere Kreativität und unsere unterschiedlichen Handlungsentwürfe entschieden vereinen. Auf Grundlage der Gemeinsamkeit dass wir entgegen jeder Entsolidarisierung jeden Pfad der Personifizierung, jedem Sexismus, jedem Rassismus, dem Entwurf von Minder- und Höherwertigkeit von Menschenleben entschieden entgegentreten. Wir müssen uns gemeinsam an diese Weggabelungen stellen und die Menschenverachtenden Pfade für immer zuschütten und natürlich einen Tag X ausmachen, an welchem wir Alternativen zusammentragen werden, die wir ausprobieren wollen. Mehr wird es nicht sein. Es wird keinen globalen Konsens darüber hinaus geben. Aber dieser noch so kleine Konsens ist unser einziger Ausweg. Eine Einheitsfront. Das ich so etwas fordere – auch wenn nur nach Hilfestellung – wundert mich schon sehr. Ich sehe keinen anderen Ausweg.

Wenn also jemand ruft, „Mutti, die Barbarei steht vor der Tür, sollen wir sie reinlassen?“ ist die Frage die wir uns nicht länger stellen sollten: „Warum klingelt die überhaupt noch, sie hat doch eh einen Schlüssel.“

Wir müssen ihr ein für allemal die Schlüsselgewalt entziehen und mich dünkt wir haben nicht mehr viel Zeit.

Nichtstun

Eigentlich tue ich zur Zeit nichts. Zumindest wenn mich Menschen fragen, was ich denn zur Zeit tue, sage ich nichts. Es war ein Reflex. Mehrmals.

Das stimmt aber nicht. Also „nichts“ stimmt nicht: Ich wühle, recherchiere, lese, lese, lese. Ich habe ein kleines Forschungsprojekt und konzipiere nebenbei Seminare. Ich treffe Absprachen in Telefonaten und sammel Ideen und dann mache ich noch was ehrenamtlich.

Mein Nichts bedeutet eine 72 h Woche. Es bedeutet Plattsein. Es bedeutet jede hierzu bestimmte Sekunde auszukostend ins Bett zu fallen. Es bedeutet Krankheit zu „verschieben“ und zu früh weiterzumachen. Es bedeutet unverschiebbare Termine, die man trotz Krankheit wahrnimmt.

Warum also sage ich „nichts“?

Ahja weil ich in diesem Quartal keine Bezahlaufträge angenommen habe. Meine Arbeit ist also „nichts“ Wert?

Wie tief ist denn bitte dieses verdammte, neoliberale sich selbst optimierende Individuum in meinem Denken drin.

Und ich beginne mir die Frage zu stellen, war es mit meinem Hang zur gnadenlosen Selbstausbeutung nicht die beschissenste Idee Selbst und Ständig zu werden?

Ich geh dann mal weiter nichts tun.

Die Polizei und der „Rechte Rand“

Auf einigen Kanälen eschoffieren sich  auch über den linken Rand hinweg Menschen über das rassistische Profiling der Polizei zur Silvesternacht 2016/2017. Unter dem Hashtag #nafri sammeln sich seit einigen Wochen die wildesten Posts alles Lager. Seit gestern einige mehr. Es gibt Empörung, was wichtig und richtig ist. Leider jedoch bleibt ein flächendeckender Aufschrei aus. Keine Wut auf der Straße. Katerstimmung?

Ich denke nicht. Ich denke, dass es nicht einmal für die bürgerliche Mitte eine Überraschung ist, wie Hand in Hand Polizeiapparat und Rassismus doch gehen. Hier werden vielmehr beide Augen zugedrückt, da die Polizei ja schließlich zu Ermittlungsgründen immer mit Stereotypen arbeiten müsse.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ kommentierte: „Es ist sehr fraglich, ob die Silvesternacht 2016 auch ohne den massiven Polizeieinsatz so gewaltfrei abgelaufen wäre. Umso mehr erwiesen sich die hohen Sicherheitsvorkehrungen als notwendig.“ Der Staat habe gar „nun, ein Jahr später, auf der Domplatte verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt.“

Erneut die Rechtfertigung gängiger polizeilichen Praxis. Und viel mehr noch: Ein Lobgesang. Ein Lobgesagt auf den rassistischen Polizeiapparat.

Nun wer sagt, die Polizei schöbe sich selbst eben manchmal an den Rechten Rand, der mag zwar das Vorgehen kritisieren, marginalisiert dieses jedoch als einen „einmaligen Vorfall“ oder Ausnahme. Das war der Kölner Kessel beim besten Willen nicht. Beispiele könnten hier einige genannt werden, aber schon lange vor der „Silvesternacht“ die nun als Rechtfertigung herzuhalten und zu genügen scheint, war racial Profiling führende Praxis. Der deutsche Polizeiapparat wird weder an den rechten Rand geschoben, noch schiebt er sich selbst dahin. Vielmehr handelt es sich um eine bis tief in die Kreise der extremen Rechten verwurzelte Maschinerie. Dies zeigte und zeigt sich nicht zuletzt in der als „Pannenserie“ wenig fassbaren und nach wie vor nicht untersuchten Beteiligung der Strafverfolgungsapparate an den Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds. Aber auch in anderen Fällen, wie dem Anschlag auf eine Geflohenenunterkunft in der Lübecker Hafenstraße vor 20 Jahren. In beiden Beispielen zeigt sich nicht nur eine rassistische, Täter-Opfer umkehrende Ermittlungspraxis, sondern deutet vieles auf mehr als nur einen „das rechte Auge zudrückenden“ Polizeiapparat.

Wenn man nur ein rechtes Auge besitzt ist es umso fataler, wenn man auf diesem auch noch blind ist.

Wenn wir nun aber für eine Sekunde nicht blind wären, dann könnten wir ein System erkennen in einem Apparat der Menschen zum Schutze anderer Menschen beschäftigt, die es lustig finden Göbbels Reden zur Motivation gegen den schwarzen Block über die Funke zu jagen, die gerne Hakenkreuzutensilien sammeln, den Kollgen HEILE Weihnachten zu wünschen, da stört es auch niemanden, wenn auch noch der ein oder andere Reichsbürger dabei ist. Nun ist es auch nicht verwunderlich, dass in der Linken Verdeckte Ermittler beschäftigt werden „müssen“, in den Kreisen der extremen Rechten aber, zu gekauften Nazis also, langjährige fast freundschaftliche Beziehungen mit Vertrauensmännern unterhalten werden, um fein abgestimmte Informationen zu unterhalten- die dann noch nicht mal im Verfassungsschutzbericht auftauchen, da ist nämlich für den rechten Rand nicht so viel Platz. Nicht zuletzt werden diese Informationsbeziehungen Seitens extremer Rechter eingegangen, um die erhaltenen Gelder direkt wieder zurück in den „Werbemittel- und Kampagnentopf“ der Struktur zu pumpen.

Und ich möchte nicht missverstanden werden und werde nicht sagen, dass Polizisten Nazis sind. Dass würde bei weitem die Komplexität von Machtbeziehungen negieren und schlicht dumm sein. Was ich statt desseen als Frage aufwerfen möchte ist: LIegt es nicht auf der Hand, dass eine befehlshierarchisch organisierte Tätigkeit, in welcher die Fügsamkein und die Fähigkeit zu fremdbestimmter Macht- und Gewaltausübung durch Interpretation und eigene Inszinierung der Macht über Karriereerfolg entscheidet, besonders für diejenigen Menschen interessant ist, welche sich in authoritären Systemen organisch zurechtfinden können oder sich gar nach authoritärer Ordnung sehnen?

Nun wenn wir aber auf dieser Grundlage der Zusammenhänge ein Fazit ableiten und sagen: Es ist zumindest anzunehehmen, dass der Polizeiapparat ein überpräsentes rechtes Auge besitzt, was auch noch größtenteils geschlossen zu sein scheint, dann ist die einzige Möglichkeit Happenings, wie dem Racial Profiling den Gar aus zu machen, ein Mainstream, der sein linkes Auge schärft und verdammt nocheinmal offen hält und wenn nötig auch die Klappe aufreißt.

Und den seh ich widerum nicht ( Blind auf dem Utopieauge). Schade?

Bild: Taz Artikel-mit Rüstung ins Gefahrengebiet: Um Geflüchtete zu kontrollieren, belagerte die Polizei einen Hinterhof in der Hafenstraße. Als Anwohner helfen wollten, rückte eine Hundertschaft an.

Polizei löst Kundgebung an der Hafenstraße auf

faktisches get out of my Head

Ich bin herzlos.
Kaltblütig.
Gemein.
Ich postete gestern auch bei #katzenstattspekulationen und bin auch heute nicht geläutert, nachdem weitere Details bekannt werden.

Ich bin so herzlos, dass ich mich „nur“ bei meinen engsten Rückversichert habe, auch wenn ich es dumm und beschämend fand.  Schließlich ist die Verlustangst ja leider etwas was mich doch noch immer regelmäßig überfällt.

Vielleicht hat mich diese Angst so kalt gemacht gegenüber dem Leid der gestern hunderttausenden Betroffen, die alle so ganz doll nah dran waren. Oder denen gegenüber, die heute so nah dran sind.

Ich glaube aber nicht.
Ich glaube eher es ist ein Verständnis und gleichsam Unverständnis denjenigen gegenüber, die verarbeiteten durch personifizieren, die verarbeiten, indem sie sich zum Mittelpunkt des Universums buxieren. Im Kollektiv.
Um Sicherheitsnotitzen bitten, um ihre Ängste los zu sein.
Sich in Sicherheit markieren, um ihren Liebsten diese irrationale Angst zu nehmen.
Sich darüber eschoffieren, wenn andere den Hype als Panikmache abtun.
Das vermeitliche „hat sich in Sicherheit befunden“ suggeriert einen zunehmenden Unsicherheitsstatus, es konstruiert ihn.

Was hier passiert ist aber eben eine irrationale und gleichsam narzistische Angst:
„Ich war NAH dran, näher als ihr alle anderen.“
„Meine Freunde hätten da sein können.“
„Ich bin Expertin.“
„Ich war gestern da, oder wohne einfach nur in Berlin.“
Die meisten der Menschen, die wir uns wenn wir uns dann zum Mittelpunkt des Universums buxiert haben und so nah empfinden würden wir in einer solchen Situation eben nicht anrufen.
Vielleicht weil das ein wenig albern wäre – das Gefühl für persönliche Grenzen haben wir ja schließlich irgendwie dann doch behalten, oder wir haben ihre Nummer nicht…

Aber ein Klick bei Facebook. Sich verbunden fühlen, eine Sorgenkrise aufbauen, weil man von der Person, mit welcher man in einer Facebook Gruppe „Kleiderzirkel“, „Hasengruppe“ oder sonstwas, sonst keine Beziehung hätte.
Hätte man aber auch jetzt keine Beziehung, dann hätte man ja auch keine Möglichkeit sich als Expertin zu fühlen. Expertin für die Geschehnisse und deren Bewertung. Expertin für irrationale Trauer und Verarbeitung. Man war ja schließlich ganz nah dran.

Es geht mir nicht darum, dass es nicht Situationen gibt, in denen Sicherheitsstati Sinn machen.
Ich erinnere mich an meine Reisen nach Israel und die Selbstverständlichkeit einen entsprechenden Verteiler zu führen.
Mitten im Gespräch und oft ohne mit der Wimper zu Zucken nebenbei wurde signalisiert, hier ist irgendwas los, aber ich bin OK. Red Alert, aber mir geht es gut, ich bin in Sicherheit.
Und der Blick auf das Display auf der anderen Seite: ah irgendwas in Ashkelon, aber alles OK.
Ein Dauerzustand in einem Dauerzustand der Angst. Ein Dauerzustand der eine Sicherheitsmeldung zur fast schon bizarr alltäglichen sachlichen Routine machte.
Unsicherheit ist die Realität. Die objektiv gegebene immerwährende Möglichkeit der eigenen Betroffenheit. Realität von Terror.
Und diese Routinen sind auch die Realität in Kriegsgebieten, aus welchen aktuell so viele Menschen in Deutschland leben.

Ich lebe nicht in dieser Realität. IN meinem Garten schlagen keine Bomben ein.
Ich möchte mir diese Realität auch nicht herkonstruieren.
Warum auch. Ich möchte diese Realität der Sicherheit lieber Ausweiten.
Auf diejenigen, die diese benannte reale Angstkulisse kennen.

Denn die Realität von Angst in diesem Land ist die Realität von Geflüchteten, jeden Tag mit einem Anschlag auf ihr Leben rechnen zu können.
Die Realität der Angst vor Falschbehandlung und Abschiebung. Vor dem rachedürstenden, „postfaktischen“ Mob, der sie für Taten und Geschehenisse mit welchem sie in keinster Weise in Verbindung stehen, verantwortlich machen möchte. Am liebsten alle.
Die Realität der Machtlosigkeit für sich selbst und die Liebsten in Afghanistan, Syrien und wo auch immer ein Sicheres Umfeld bereit stellen zu können. Die Realität von Meldungen über Tod der eigenen Angehörigen.
Die Realität der Ignoranz und Umdeutung dieser Zusammenhänge.
Die Realität eigentlich schon Täter zu sein- Täter des eigenen Versagens, Eindringling, auf dem Abstellgleis ohne Aussicht auf Veränderung. Täter. Der Täter war schon viel früher da, als die Tat.

Ich möchte nicht in dieser Unsicherheit Leben. Daher möchte ich #katzenstattspekulationen und ich möchte Menschen, die rational auf der Sachebene empfänglich sind.
Menschen die es wenigstens versuchen eine Sachbotschaft abzuwarten und an sich heran zu lassen.
Menschen die sich nicht darauf einlassen, es zu ihrem persönlichen Geschehnis zu machen.
Menschen die objektiv versuchen Optionen zu eliminieren.

Von einigen Menschen, von denen ich signalisiert bekommen habe, dass sie ok sind, wusste ich noch nicht einmal, dass sie in Berlin sind.
Bei einigen, von denen ich weis, dass sie in Berlin leben und auf vermute dass sie auch auf Weihnachtsmärkte gehen, freue ich mich sie heute zu lesen.
Aber nicht anders, als ich mich auch freue, wenn ich sie sonst lese. Deshalb bin ich mit ihnen verlinkt, weil ich mich freue, sie zu lesen.

Aber wenn wir uns kurz vorstellen, wir hätten gestern von einem Auffahrunfall am Berliner Ring mit 30 Schwerverletzten und Toten gehört – und wir wüssten, die meisten unserer Facebookfreunde in Berlin fahren Auto –
hätten wir einen Safetycheck gestartet?

Ich vermute nicht, das Problem liegt also woanders: Warum erscheint es so vielen als unmöglich diese Informationen auf einer Sachebene zu verarbeiten? Warum muss N24 die Kamera auf Tote richten? Weil wir es brauchen, den Skandal an dem wir betroffen sind. Einen möglichst politischen, einen der uns erlaubt unsere Position zu behaupten bar jedem Argument. Einen der rechtfertigt wütend und traurig zu sein und irrational zu handeln. Das braucht das WIR.
Das wurde meines Erachtens nach gestern gerechtfertigt und in den Sozialen Medien vorbereitet und verbreitet: Das WIR. Und unser WIR braucht Täter.

Ich weis, das war jetzt herzlos und kaltblütig und gemein.

der ganz normale Behördenwahnsinn

Er: Hier haben sie die Checkliste, da sehen Sie dann, welche Unterlagen wir brauchen von Ihnen, Ja?
Sie: Ja.
Er: Und dann haben sie ja Zeit die Unterlagen einzubringen bis zu dem Termin. Ohne die Unterlagen geht es nicht.
Sie: Und bei dem Dokument X, was mache ich dann, wenn es nicht rechtzeitig zum Termin bei mir vorliegt?
Er: Ohne die Unterlagen geht es nicht.
Sie: Ja und was dann ?
Er: dann können wir nichts für Sie tun.
Sie: Dann brauch ich also dann nicht zu dem Termin kommen?
Er: doch sie kommen zu dem Termin und bringen Ihre Unterlagen mit.
Sie: naja, aber wenn ich sie denn dann nicht habe, macht das doch dann keinen Sinn, zu ihnen zu kommen, weil da können sie ja dann nichts für mich tun. Oder kann ich ein Dokument einholen, worauf steht, dass ich auf Doklument X warte und dann könnten sie was für mich tun.
Er: Nein ohne Dokument X geht es nicht.
Sie: Na dann warte ich, bis Dokument X da ist und wir machen dann einen Termin, sie können ja dann eh nichts für mich tun.
Er: Nein, sie kommen zu dem Termin.
Sie: Ohne Dokument X?
Er: Sie drehen sich im Kreis.

Du bist nicht  verrückt – die Welt ist es.

Airbusunglück – Kraftfahrzeugverbund zieht freiwillige Konsequenzen

BERLIN – Als Reaktion auf das tragische Airbusunglück erklärte heute auch der deutsche Kraftfahrzeugverbund, dass er ab sofort standardmäßig Fahrer- und Beifahrersitze an die Lenkapparatur koppeln wird. Entsprechende Testfahrten, beispielsweise in deutschen Fahrschulen, haben gezeigt, dass dies den Sicherheitsstandard auf deutschen Straßen drastisch erhöhen würde. Einer Fahrt mit bewusster, oder unbewusster Tötungsabsicht, würde so der Riegel vorgeschoben.
Die Bundesregierung begrüßte den freiwilligen Vorstoß und arbeitet aktuell an einer entsprechenden Gesetzesgrundlage, dernach Fahrzeuge nur noch im Team geführt werden dürfen.

Hoffnungskrieger

Banksy

Wir haben gesehen, wie sie sich täglich verkauften,
um dann den Pfennig umzudrehen.

Wir haben sie trauern sehen und schwinden.
Leerer werden
Von Tag zu Tag.

Wir haben sie Lebensentwürfe spinnen sehen
und ihre Leeren gefüllt.

Hoffnungen im Glück eines neuen Ortes.
Die Hoffnung im Ort des Glücks.
Glück als Ort der Hoffnung.

Ein neuer Ort,
neue Hoffnung,
neues Glück.

Wir wurden kleine Soldaten im fremden Kampf.
Wir wurden zu schützenden Helden:
Wir werden diesen Raum verteidigen.
Diesmal schaffen wir es.

Wir wurden Verbündete.
Verbanden die Kämpfe zum Glück.

Wir haben uns mitreißen lassen.
Im Hoffen und im Scheitern.
Wir haben sie schwinden sehen und weinen.
Wir haben ihre Erklärungen geglaubt
ein Märchen vom eigenen Unvermögen.

Unmögliche Sinne,
unmögliche Stärken,
unmögliche Träume.

Wir sollten die Helden werden die man emporhieb und füllte mit Hoffnung
und eigenen Lehren
und mit dem Ziel diesen Kreis zu durchbrechen.

Wir suchten Verbündete.
Verbanden Hoffnung und Glück an Orten mit Märchen.

Wir hörten es jeden Tag
und erzählten es weiter
und hörten es ständig
und wurden zu Kletterern.

Wir haben Welten erkämpft und Berge erklommen, Spitze nach Spitze.
Wir wurden die Helden, die man emporhieb, den Kreis zu durchbrechen.
Ausgestattet mit der Hoffnung am höchsten Punkt den Blick nicht nach unten zu wagen.

Wir sahen uns abstürzen
und kämpfen
und von neuem beginnen.

Wir sahen den Boden schwinden und hielten die ausgestreckte Hand in den Nebel
und der gebrochene Kreis, schien er noch zum Greifen nahe,
verschwomm.
Wir suchten das Märchen.
Wir suchten Helden.

Wir fanden uns
vorgeführt, geächtet, gestempelt.
Wir fanden uns abgeführt und
abgestoßen.
Wir fanden uns abgeklärt.

Wir fanden uns, die zweite Generation des Kämpfens, des Scheiterns und des Trauerns.
Wir verbanden uns in der Hoffnung
auf ein neues Märchen
als Ort der Hoffnung auf Glück.

Hutschönheiten


Ich bin umgeben von Menschen die sich kleiner fühlen als der Hut der sie trägt.
Schöne bunte Hüte. Hochdekoriert, detailreich und glänzend attraktiv.
In lila, aber auch in rottönen.
Manchmal ist auch ein ganz grauer, filligraner dabei.
Doch der wahre Glücksmoment ist es, wenn für einen kleinen Augenblick jemand bedingungslos bereit ist die eigene Pracht abzulegen und einen grandiosen vielfältig geformten Kopf zur schau stellt.
Jeder anders, jeder groß, einzigartige Schönheiten.
Stolz, erfahren und authentisch.
angreifbar.
rar.
Dann fällt auch mir nicht mehr auf, das sich mein zerrupfter Hut noch so klein und verbeult anfühlt.

Der Staatsapparat zeigt sich offensiv

Nun mag das daran liegen, dass ich seit Kindertagen die Polizei nicht als Freund und Helfer wahrgenommen habe, sondern als Handlangerin korrupter Politischer Systeme.
Ich erinnere meiner Kindertage in Polen, als willkürlich Menschen auf der Straße ( vorzugsweise Roma und Obdachlose) ob ihres aggressiven Bettelns zusammengeschlagen wurden, Menschen willkürlich durchsucht und all die Erwachsenen die mich an der Hand hinter sich zerrten, beim Anblick blauer Uniformen sogleich eine Seitenstraße aufsuchten oder die Straßenseite wechselten.
Nein es lag nicht daran, dass man etwas zu verbergen hatte.
Auch bei mir hat sich dieses Verhalten festgesetzt.
Ich habe immer und überall Angst vor der Polizei.
Zurecht. Denn nie ist klar, was darf sie, was ihr Ermessensspielraum (also meine Verhandlungsbasis) und was heisst es wenn ich mich wehre.
Was heisst es denn wenn ich auf Anfrage meine Dokumente vorzeige, meine Identität preisgebe, wozu ich ja verpflichtet bin, aber mich eben – was mein Recht ist – nicht Durchsuchen lasse?
Es hinterlässt doch das Gefühl, was Unrechtes zu verbergen. Ich fühle mich also unglaublich schuldig, noch lange bevor es zu einer solchen Situation kommt. Deshalb gehe ich ungern über rote Ampeln und trinke kein Bier im Bus. Ich muss es ja nicht provozieren.
Und dann ärgere ich mich darüber. Was verdammt will ich nicht provozieren?
Die Polizei?
Was passiert denn wenn sich die Polizei provoziert fühlt?

Ermessensspielraum ist ein sehr wichtiger Begriff. Es zeigt unter anderem die ganz deutliche Missbalance auf, die zwischen einer Bürgerin und der Polizei besteht. Die Beamten können, müssen aber nicht „Gnade vor Recht“ walten lassen. Ob sie es tun hängt in allen Fällen davon ab, wie „kooperativ“ man erscheint. Aber nicht nur das: Sozialer Status: Eloquenz, Kleidung, äußeres Erscheinungsbild… Das alles sind wichtige Faktoren, wenn es um den Ermessungsspielraum geht.

All das spielt bereits eine große Rolle. Menschen mit Sprachhürden, werden in willkürlichen Polizeikontrollen stets kooperativer auftreten und sich dabei im Zweifel schaden.
Dass sie sich aber in einer solchen Situation nicht selbst schaden sollen, das hebt der Wille des Gesetzgebers (betont nocheinmal in § 344 StGB) vor. Dies soll eben diejenigen Schützen, die aus Sicht der Rechtsorgane (noch) keinen Verdächtigen darstellen. Kaum eine Person weis, dass sie sich bei einer Zufallskontrolle nicht durchsuchen lassen muss (nur im Falle von §102 StPO als Beschuldigte*r oder §103 StPO).
Aber man hat ja nichts zu verbergen…oder vielleicht doch aber dann ist man ja Verdächtig. Nein. Das Recht ist an dieser Stelle bei all jenen die finden, dass es die Polizei einfach nichts angeht was in ihrer Handtasche ist.

Das ist die Theorie, in der Praxis sieht es jedoch anders aus: Alle zücken ihre Täschchen, und lassen die Beamtinnen gar einen ganz intimen Körperkontakt aufbauen. Ein furchtbarer Moment, man fühlt sich Schutz- und Hilflos und geht alles durch, was man eventuell ohne es zu wissen unrechtes getan haben könnte.
Aber einige lassen dies nicht zu. Nicht weil sie etwas zu verbergen haben, sondern weil sie diese Willkür ablehnen. Weil sie den Körperkontakt nicht wünschen. Weil sie ihre Handtasche für sich gepackt haben und nicht für die „öffentlichkeit“. Sie halten diesen Moment aus, unter absoluten Generalverdacht zu stehen. Sie sagen nein. Und das ist eine große Hürde, denn die Beamten werden niemanden sagen, dass man bei vielen Dingen auch einfach nur Nein sagen kann.
Sie sagen Sätze wie: „Ich werde sie jetzt durchsuchen.“ und man geht davon aus, die Polizei, die das Recht besser kennt als wir Leien wisse ja schon wozu sie berechtigt ist. Ja das weis sie.
Sie weis nämlich dass wir nein sagen können. Das wird sie uns aber nicht mitteilen. Und solange wir Schweigen, wird dies auch als zustimmung zum Vorgehen gewertet. Also sagen einige „Nein“.
Was viel Kraft kostet aber dennoch unheimlich wichtig ist, denn es geht um persönliche Genzen emotional und körperlich.

Nun das ist der Status Quo und nur eine kleine gesetzliche Ecke von „Willkür“ und „Ermessungsspielräumen“. Wir haben Angst, je weniger Wissen, Sprachgewandheit und gesellschaftliche Akzeptanz vorhanden ist, desto mehr Angst. Dabei richten die Beamten noch keine Waffe auf den Boden, wir wissen dass sie da ist, einsatzbereit in einem Halfter. Aber wir SEHEN sie nicht. Wie viele Menschen schaffen die Hürde sich gegen „Willkür“ zur Wehr zu setzen noch, wenn die „offensive Waffenhaltung“ Standard wird? Und vor welcher Konsequenz werde ich Angst haben, wenn ich versuche die Polizei nicht zu provozieren und rote Ampeln meide?
Für mich ist eine gezückte Waffe immer eine Anwendung von Gewalt.

Ein schleichender Prozess

Ich habe meine Seele verkauft.
 Für viel Geld und Elbblick. Also eigentlich einem guten Preis. Was mich daran stört, nein stören tuts mich nicht wirklich, aber überraschen, ja überraschen ist eigentlich das bessere Wort,ist, dass ich das erst gar nicht bemerkte.

Erst waren da die Gedanken über meinen Kredit und wie man den nun mit Arbeit die man wirklich, wirklich gerne macht abbezahlen soll, ohne dass man damit ein Leben lang beschäftigt ist. Dann waren da die Gedanken über den Umzug. Nach Berlin, schließlich möchte man nah an den Liebsten sein. Dann waren da die Gedanken zu zwei Zimmer sind jetzt dann doch zu wenig. Und dann kam das mit dem Auto und dem Flugticket für Weihnachten. Und dann ging das ganz schnell. Dann war da Vitamin B und das Büro mit Elbblick.

Und da habe ich einen Vertrag unterzeichnet, wie in diesem Business üblich, mit meinem Blut.

Bewusst wurde mir die Reichweite meine Tat dann aber später. Die Auswirkungen, und damit meine ich nicht nur um 6 Uhr aufstehen und um 20 Uhr nachhause kommen und Arbeit mitnehmen, nein ich meine diese kleinen Dinge die da plötzlich sind: Ach mein Kostüm kann ich ja jetzt – ohnehin nicht weil scheiß Produktionsbedingungen – bei C&A kaufen, nee das sieht ja dann auch aus wie von C&A. Es ist der Klassenaufstieg, der mir am meisten sorgen bereitet, weil er mich am meisten stresst. wohlwissend, dass, da unterprivilegiert, es nicht nur der reguläre Arbeitsstreß ist, der auf einen einstörmt, sondern diese furchtbare soziale Angst, die daraus resultiert, dass man eben nicht immer das richtige gesellschaftliche Protokoll parat hat. Aber auch der spielerische Umgang damit, macht mich nunmal aus, sagte ich mir dann.

Das faszinierende daran ist, dass ebendiesen erst existen- dann sozialen Ängste einem Spaß gewichen sind. Dem Spaß an dieser vormals so abwegigen Arbeit und dem dazugehörigem Auftreten. Es war im wahrsten Sinne ein schleichender Prozess, der mich aber wohl bald schon nach Berlin bringt.

Bildungszeit

Nun stellt sich zuallererst die Frage, warum ich so lange nicht Poste. Es ist eine Frage der Zeit. Nicht dass ich nicht die Zeit gehabt hätte, das ein oder andere zu posten. Ich hatte schlichtweg keine Zeit meine Gedanken zu den jeweiligen Geschehenissen zu sortieren.

Studienabschluß, Formaler Verlußt des Masterstudienplatzes, Traurigkeit und gleichsam ein Gefühl der unendlichen Erleichterung, dass zufällig das Richtige passiert ist und nicht zuletzt die Frage nach wie und wo weiter, die mir nicht zuletzt das Arbeitsamt stellt.

Doch losgelöst von allen Zwängen die ein Akademikerinnendasein nunmal in sich birgt, offenbart sich losgelöst von der Frage nach dem Wohin eine unendlich scheinende Zeitspanne der aufgeschobenen, selbstständigen Bildung.

Nachdem nun das Studium lediglich dem Zweck diente mein Wissen, an das akademische Dasein anzupassen, folgt nun der Zeitabschnitt der tatsächlichen Bildung in der einzigen wirklichen, der nicht-akademischen, selbstständigen Art und Weise.

Es ist also kein Widerspruch in sich, wenn ich sage erst der Abstand zur Bildungsinstitution gibt mir das Gefühl mich zu bilden, oder gar gebildet zu sein.  Was nicht bedeutet, dass das institutionalisierte Bildungsgeschehen mich nun gar nicht mehr interessiert. Nur eben nicht mehr primär.

DAS Foto

Es reicht mir. Das zieht sich nun a) zu lange und b) zu selbstverständlich hin. Ich habe auch keinen Bock mehr auf täglich neue Links, wo überall mensch mich wiederzuerkennen scheint und in welchem Kontext.

Einmal auf einer Demonstration (Slutwalk) und dann soll mensch immer wieder als „Fight Sexism“-Ziehfigürchen fungieren?()

Das habe ich  dann auch gesagt und gebeten, mein Foto runterzunehmen. Beteuert habe ich, dass ich zu keinem Zeitpunkt abgelichtet werden wollte.

Dies war die erste Antwort:

Sehr geehrte Frau …,

es handelt sich bei dem Bild um ein Agenturfoto, dass bei einer
öffentlichen Demonstration aufgenommen wurde.

Selbst wenn es Sie darstellt, was für uns nicht ohne weiteres
nachprüfbar ist, halten wir es für eine geeignete Illustration des
Gedanken, dass die gesellschaftliche Debatte um den Sexismus schon ein
wenig weiter ist, als die in den Parteien.

Im Zweifelsfall nehmen wir natürlich Bilder von Personen von der Seite,
auch in Fällen, in denen dazu keine Rechtspflicht besteht, wenn die
Personen für uns nachvollziehbare Gründe darlegen, jenseits reiner
Unzufriedenheit darüber, bei einer öffentlichen Demonstration (von lat.
demonstrare – (sich) zeigen) fotografiert worden zu sein. Beispiele
dafür sind die Sorge vor Strafverfolgung, Diksriminierung am
Arbeitsplatz und dergleichen.

Wenn Sie derartige Gründe haben, teilen Sie diese bitte mit, bis dahin
bitten wir um Verständnis, dass wir das Bild auf der Seite lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Diese unverschämte Belehrung! Was fällt diesem Typ eigentlich ein, sich so selbstverständlich über mich zu stellen und mir recht als unrecht zu verkaufen. Das nennt sich dann Journalismus. Das habe ich ihm dann mitgeteilt. Nun ist mein Gesicht nicht mehr auf dieser Zeitung. Sollte ich das bei #aufschrei Posten?

Ein (guter?) Sonntagmorgen

In

  • 4 Uhr morgens ausgeschlafen sein, weil mensch am Abend vorher zu früh eingeschlafen ist.
  • Bäcker der Sonntags vor 8 Uhr offen hat.
  • Hellwerden beobachten
  • Warmer Café zum wachwerden

Out

  • Eine Stunde umherwandern, bevor mensch den Bäcker findet, der Sonntags vor 8 Uhr offen hat.
  • Um kurz vor 6 Uhr morgens auf betrunkene Partymenschen treffen.
  • Sonntags morgens um 6 Uhr von einem ominösen Fahrer mit seinem Wagen eine gefühlte halbe Stunde lang auf Schrittgeschwindigkeit verfolgt werden.
  • Als ominöser Fahrer dann überholen und stehenbleiben.
  • Aus Angst durch dunkle Seitengassen rennen.
  • Aus der Seitengasse rauskommen und den Wagen vor dem mensch zuvor flüchtete wiedererkennen.
  • „Magst du mit zu mir kommen“ vom ominösen Fahrer hören.
  • Auf weiterlaufen einen Preis hinterhergerufen zu bekommen.
  • Nachhauserennen.

Wenigstens hatte ich frisches Brot.
Jetzt lernen.